Zum Inhalt springen

Demokratie

Europa wird porös – Wer gewinnt, wenn Staaten ihre Kraft verlieren?

Es gehört zu den Eigenheiten untergehender Ordnungen, dass sie ihren eigenen Niedergang selten bemerken. Rom wurde nicht an einem Dienstag geschlossen. Die Sowjetunion funktionierte noch, als sie bereits nicht mehr funktionierte. Institutionen haben die erstaunliche Fähigkeit, länger zu bestehen als das Vertrauen, aus dem sie ursprünglich ihre Legitimität bezogen. Vielleicht ist deshalb das Wort „Zusammenbruch“ für das gegenwärtige Europa falsch. Deutschland existiert. Die Parlamente tagen. Die Banken öffnen morgens ihre Türen. Renten werden überwiesen, Züge fahren – gelegentlich –, Steuerbescheide kommen zuverlässig, Wahlen finden statt. Und doch ist etwas ins Rutschen geraten. Nicht überall gleichzeitig, nicht überall gleich stark und keineswegs nur in Deutschland. Aber besonders in den großen westeuropäischen Staaten lässt sich beobachten, wie politische Handlungsfähigkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und finanzielle Belastbarkeit gleichzeitig unter Druck geraten. Das Gefährliche daran ist weniger die einzelne Krise. Europa hat Krisen überlebt. Das Gefährliche ist ihre Überlagerung. Der Staat funktioniert – aber seine Reserven verschwinden Die Europäische Zentralbank erwartet für den Euroraum 2026 noch ein reales Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Von einem ökonomischen Zusammenbruch kann also keine Rede sein, auch wenn dieser Zuwachs wohl eher den osteuropäischen Staaten zu verdanken ist. Gleichzeitig liegt die prognostizierte Inflation für 2026 bei 3,0 Prozent. Am 10. September erhöhte die EZB ihre Leitzinsen erneut um 0,25 Prozentpunkte; der Einlagenzins liegt seit dem 16. September bei 2,50 Prozent. Höhere Energiepreise infolge des Nahostkonflikts sind dabei ein wesentlicher Faktor. Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Wirtschaftswachstum ist schwach, Energie bleibt teuer, gleichzeitig werden Kredite und Staatsfinanzierung kostspieliger. Hinzu kommen Verteidigung, alternde Gesellschaften, Infrastruktur, Digitalisierung, Energienetze… Weiterlesen »Europa wird porös – Wer gewinnt, wenn Staaten ihre Kraft verlieren?

Wenn eine Frage nicht mehr nur eine Frage ist

Mein neues Buch: „Die Einordnung“

Es gibt Romane, die mit einem Mord beginnen, mit einer Reise, mit einer großen Liebe oder einem Geheimnis aus der Vergangenheit. Die Einordnung beginnt leiser. In einem hellen Saal. Auf einer Veranstaltung. Auf einer Leinwand steht: Demokratie schützen. Es gibt ein Podium, Wassergläser, Namensschilder, eine Moderatorin, ein Publikum, das nicht gekommen ist, um zu streiten. Alles ist geordnet. Alles ist vorbereitet. Alles hat den Ton eines Abends, an dem niemand schreien wird.

Die Maschine denkt und der Mensch diskutiert

Deutschland, dieses Land der Denker und Dichter, das einst mit Faust rang, ringt nun mit Codezeilen, die Gefühle simulieren. Doch was, wenn diese Simulation nicht nur nachahmt, sondern verletzt? Die philosophische Debatte über den Umgang mit KI entfaltet sich hier nicht als reiner Intellekt, sondern als Schlachtfeld, auf dem menschliche Gefühle angegriffen werden. Fehlerhafte Diskussionen, geprägt von Übertreibungen und Panik, sickern in den Alltag ein und hinterlassen Risse im Gefüge des menschlichen Miteinanders. Es ist eine Geschichte, die sich nicht linear erzählt, sondern in Fragmenten, wie Splitter eines zerbrochenen Spiegels, der die Welt vervielfacht und verzerrt. Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem space auf X (Twitter), der Dampf Ihres Kaffees steigt auf wie ein Seufzer der Maschine. Neben Ihnen flackert ein Handy, auf dem eine Diskussion läuft: Eine junge Aktivistin, das Gesicht vermutlich gerötet von der Leidenschaft, die Sie für Hysterie halten, brüllt in ihr Handy. „KI ist der neue Faschismus!“, ruft sie, und die Kommentare explodieren in einem Feuerwerk aus Emojis und Flüchen. Das ist längst ist kein Einzelfall mehr. Diese Szenen und Diskussionen, die ich hier als Ausgangspunkt wähle, sind nicht erfunden; sie spiegeln die Welle wider, die durch die philosophische Landschaft Deutschlands rollt. Eva Weber-Guskar, die Philosophin aus Bochum, die in ihrem Buch „Gefühle der Zukunft“ von 2025 warnt, dass emotionale KI unser Leben verändert, ohne dass wir es merken, würde vielleicht lächeln – oder weinen. Denn in solchen Debatten wird ihre nüchterne Analyse in einen Kreuzzug gegen die Algorithmen verwandelt, der mehr Emotionen schürt als klärt. Die Debatte beginnt… Weiterlesen »Die Maschine denkt und der Mensch diskutiert