Greta, die Bahn und das Marketing …

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Ein Bild geht um die Welt! Weil Gretas Marketing-Abteilung es so will. Die zarte, einsame, nachdenkliche Weltenretterin hockt zusammen gekauert am Boden. Die Ärmel der Jacke weit über die Hände gezogen, bezeugen die Kälte dieser Welt da draußen. Ihr Blick schweift in eine ungewisse, aber sicherlich finstere, Zukunft. Sie schaut auf das, was nach den Parolen ihrer Verführer und Finanziers bald nicht mehr sein wird: Die Welt, wie sie ist.

Ein Bild, dass Herzen berührt, ein Hinterfragen erstickt, des Unverstandenfühlens, allein zwischen all den riesigen Gepäckstücken, die symbolisch für die Last stehen, die sie allein auf ihren schmalen zerbrechlichen Schultern trägt in „a overcrowded train„.

Vielleicht aber auch „nur“ der verlorene Blick eines Kindes, dass allmählich begreift, was mit ihm geschieht und was man ihm antut, aber ein gutes Kind für seine Eltern sein möchte.

Die Wirklichkeit zeigt: Das Foto ist nur eine weitere Lüge – fast perfekt inszeniert für all die Kids, die für die Bilionen-Euro-Umweltindustrie hüpfen und natürlich für deren, vor Stolz auf ihre Kinder, berstenden Eltern (dabei könnten zumindest sie verstehen, was man mit ihren Kindern anstellt).

Da ist nur ein Problem: Die Deutsche Bahn hat eigene Image-Interessen. Ihre Marketing/Presseabteilung möchte ihren Arbeitgeber ebenfalls gut darstellen und zwitschert eigene Klimaverdienste in die Welt. Nicht ganz im Sinne der Sache, wenn vorgeblich Verbündete sich gegenseitig schlecht aussehen lassen.

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… und wenn andere Menschen ebenfalls in solchen überfüllten Zügen unterwegs sind, kann es in jedem Sinne des Wortes eng werden.

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So funktioniert Marketing: Emotionen bestimmen alles – unser Denken und unsere Entscheidungen. Unser Gehirn unterscheidet letztlich zwischen Belohnung und Bestrafungen. Anders als Tiere stellen wir Belohnungen sogar über unsere biologischen Bedürfnisse. Sie kümmern sich um die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse, während wir Menschen diese oft zugunsten abstrakter Ideale zurückstellen.

Same, same, but different …

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Hinter beiden Bildern stehen Eltern, finanzielle Interessen und vermutlich zerstörte Leben und Psychen. Dennoch bewerten wir beide Bilder völlig unterschiedlich.

Das erste der zwei Bilder löst in den meisten von uns Ekel, Abscheu und Zorn und auch Mitleid aus.

Das zweite Bild wird von uns mit positiven Werten verbunden – Schutz, Fürsorge, Liebe. Man hat uns zusammen mit diesem Bild auch gleich die Werte mitgeliefert: „Schulstreik“ und nicht „Schule schwänzen“. Kein Wort in diesem Zusammenhang, dass eine moderne, nachhaltige Wirtschaft nur mit Menschen guter Ausbildung gelingen kann. Es wäre strategisch unklug gewesen für die Anstrengungen besserer Ausbildung zu kämpfen. Wir versuchen grundsätzlich unsere Energieressourcen sparsam einzusetzen. Es sei denn, wir erwarten eine kurzfristige Belohnung für unsere Anstrengung.

Aber es ist soviel einfacher das zu proklamieren, wovon Schüler aller Generationen träumen – schulfrei. Das bringt auch die unwilligsten Schüler auf die Straße. Das absurdeste Verhalten, wie Herumhüpfen, Parolen skandieren, hält uns nicht davon ab Positives mit dem Bild zu verbinden.

Wir wollen um jeden Preis gut sein und Anerkennung finden. Wir heulen mit der Meute, denn unser Hirn sagt uns, dass Abweichler nicht von der Mehrheit akzeptiert werden. Wir entscheiden uns für Belohnung und für Strafvermeidung. Wenn es sein muss auch entgegen unserer Vernunft. Unsere biologische Entwicklung hat uns konditioniert, wie Pawlows Hunde. Marketing spielt auf diesen Konditionierungen, wie auf einem gut gestimmten Klavier.

Unser Bewusstsein hat ein Talent dafür, sich selbst einzureden, dass es die Zügel in der Hand hat. Der Verstand wird also seltener eingeschaltet, als als wir glauben. Bilder, die starke Emotionen auslösen, gehen häufig auf menschliche Grundemotionen wie Liebe, Sex, Geborgenheit, Fürsorge, Erfolg oder Selbstverwirklichung zurück.

… seien wir ehrlich. Wer möchte nicht dieses am Boden kauernde einsame Mädchen in die Arme nehmen? Wer möchte ihm nicht einen Teil seiner Last abnehmen? Es in die warme Stube bitten oder einen heißen Kakao anbieten? Wir können ihm vertrauen. Uns droht keine List, nichts Böses ist zu erwarten.

Dabei liegt es doch so klar auf der Hand: Es ist eine Marketingshow … und am Ende zählt nur, dass der Vorhang aufgeht.

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