Linke Träume, leere Taschen – ein Essay
Es beginnt immer mit einem Traum. Nicht mit einer Rechnung, nicht mit einem Kontoauszug, nicht mit einer nüchternen Bilanz. Träume haben keine Tabellen, keine Buchhalter, keine Zahlenkolonnen. Sie haben Parolen, Transparente, das Flackern von Fackeln in der Nacht, und die Überzeugung, dass es irgendwo einen Ort gibt, an dem die Menschen frei sind von der Zumutung, rechnen zu müssen. Die politische Linke lebt aus diesem Traum heraus: einer Utopie, die stets größer ist als die nüchterne Kassenlage. Der Traum verspricht eine Welt, in der niemand leer ausgeht. Das Brot auf dem Tisch für jeden, das Dach über dem Kopf, die Bildung als universelles Geschenk, die medizinische Versorgung als selbstverständlich wie die Luft. Und all das nicht nur als Notversorgung, nicht nur als Minimum, sondern als moralisch verbürgtes Recht, als Ansprüche, die aus den Höhen der Geschichte herabgereicht werden wie Tafeln vom Sinai. Doch dieser Traum ist nicht umsonst. Er verlangt nach einer Währung, die sich nicht aus Worten speist. Der Schuldschein, auf den er geschrieben wird, ist das Geld. Und Geld hat eine Eigenschaft, die jeder Traum hasst: Es ist begrenzt. Die Linke beginnt ihre Geschichte im Misstrauen gegen das Geld. Geld sei nicht neutral, sagen ihre Denker, sondern ein Instrument der Herrschaft. Es sei nicht nur ein Tauschmittel, sondern eine Waffe, die Ungleichheit zementiert. Wer viel hat, bestimmt, wer wenig hat, gehorcht. So klingt das Credo, das von Marx über Lenin bis zu heutigen Aktivisten reicht. In dieser Sicht ist Geld nicht einfach Papier oder Zahl im digitalen Netz, sondern das Symbol der Ungerechtigkeit… Weiterlesen »Linke Träume, leere Taschen – ein Essay